Nicht nur als Gewürz vorzüglich: Gastfreundschaft

Karam - gemeinsam genießen ist das Buch des Monats der mediterranen Kochgesellschaft

Esst zusammen, genießt gemeisam. Karam bedeutet Gastfreundschaft. Foto: kochgesellschaft.de

Bethany Kehdy ist überzeugt: Im Orient steht die Wiege der Schlemmerei. Das wichtigste Gewürz einer Festtafel kennt sie auch: Gastfreundschaft! „Karam“ hat die libanesisch-amerikanische Foodjournalistin und Bloggerin denn auch ihr Buch genannt. „Karam“ das bedeutet Gastfreundschaft und erklärt gleichsam den Untertitel „gemeinsam genießen“. Der Islam lehrt, ein Gast sei ein Geschenk Gottes. Auch das Alte Testament der Bibel mahnt, Gäste zu schützen, denn sie könnten Engel in Menschengestalt sein. Was früher und in der Wüste überlebenswichtig war, hat sich tief in das kulturelle Gedächtnis der Region eingegraben. Bis heute prägen diese Bräuche die Art, wie man Gäste begrüßt und Einladungen ausspricht. Im Nahen Osten ist man permanent darauf eingestellt, Gäste und unangekündigte Besucher willkommen zu heißen, schreibt sie. Bei der Hausmannskost ihrer Heimat spielt Genauigkeit keine große Rolle. Im Nahen Osten wird diese Art des Kochens als „nafas“ bezeichnet: als Küche der Seele. Sie steht für intuitives Kochen mit allen Sinnen. Für „Karam – gemeinsam genießen“ hat sie die Zutaten aber abgemessen, damit andere sie nachkochen können. Ihre Rezeptvorschläge hat sie mit wunderbaren Texthäppchen zu Kultur und Geschichte angereichert, die zusätzlich Appetit und mit Ritualen orientalischer Festtafeln vertraut machen. Unterteilt in sechs Kapitel (Grundrezepte, Die Frische der Oase [Erfrischungen, Digestifs und Cocktails], Den Tisch decken [Rohkost, Kanapees und Fingerfood], Den Appetit wecken [kleine Gerichte und Beilagen], Festmahl für alle [große Platten und Hauptgerichte], ein endloses Fest [Desserts]) führt sie eindrucksvoll vor, dass es falsch ist, die Küche der Levante auf Mezze zu reduzieren. Und ganz nebenbei lernen Kochinteressierte wieder neue Zutaten kennen, Freekeh etwa, grüner Hartweizen, Mahlab, ein Gewürz aus den Fruchtsteinen der Felsenkirsche, oder Maftoul. Eine palästinensische Pasta. Auf insgesamt 272 Seiten singt sie in „Karam“ das hohe Lied der Gastfreundschaft, in das man einfach einstimmen muss. „Esst zusammen, nicht allein, denn der Segen liegt in der Gesellschaft“, wusste schon Prophet Mohammed. Also: „Zayneh el sofra – lass uns den Tisch decken! Die orientalischen Rezepte sind im Sieveking Verlag erschienen. Kostenpunkt: 36 Euro.

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