Lesenswert: Der „Stern“ zum Thema Olivenölbetrug

Na endlich! Die Zeitschrift Stern widmet sich in ihrer aktuellen Ausgabe (Nr. 26 vom 18. Juni 2014) dem Olivenöl. Genauer: dem Olivenölbetrug. Und das in einer Art und Weise, die man einfach nur loben kann. „Extra ranzig statt extra vergine – der Stern enthüllt die schmierigen Geschäfte mit gepanschtem Öl“ steht auf die Titel von Heft Nr. 26 und verspricht als Plus: „Woran Sie Qualität erkennen“. Nun, das versprechen auch RTL, das ZDF oder der HR und wie sie alle heißen mit ihren mehr oder weniger regelmäßigen Checks. Dabei bieten sie doch immer den gleichen faden Aufguss und loben anschließend das Aldi-Öl als das Beste. Na toll.

Bei diesem Stern ist das anders. Es geht in erster Linie aber auch nicht darum, welches Öl das Beste in den Supermarktregalen ist, sondern es geht um Betrug und Täuschung – ist  spannend zu lesen, auch wenn der Inhalt erschreckend ist. Verschneiden – mischen – panschen  – aktuelle Ermittlungen italienischer Staatsanwälte geben Einblick in die Welt der Olivenölindustrie und der ist alles andere als appetitlich. „Abrunden, nachbessern, aufhübschen“ – darum geht es und es scheint System dahinter zu stecken. Für uns Deutsche darf das Zeug extra mies sein. Denn: Wir zahlen ja gerne wenig. Das heißt auch: Die Produktion ist gezielt auf den (unsrigen) Billigmarkt ausgerichtet. Das Gros der Olivenöle kommt aus Spanien, der Türkei und Tunesien, landet aber gerne als „extra vergine“ aus der Toskana in den Supermarktregalen. Welch Wunder: Italien exportiert mehr Olivenöl als es herstellt. Mieses Öl verschwindet meistens nicht in Lacken oder Lampen, sondern via Ölraffinerie in Deutschland. Zitat aus dem Stern: „Es ist, als präsentierte man in Papua-Neuguinea Cindy aus Marzahn als „Germany’s next Top-Model“.

2013 importierte Deutschland 57 Millionen Liter Olivenöl, fast Dreiviertel davon aus Italien, so der Stern. Viele dächten dabei an die Toskana, dabei stamme das Öl, das der Deutsche kauft, nicht immer von da. „Die italienische Herkunft dient auch dem Marketing“. Der Stern: „Wenn überhaupt irgendein italienischen Olivenöl das Land verlässt, dann landet es kaum in den Supermarktregalen, sondern im Fachhandel und nicht zu Billigpreisen, denn in der Toskana – wo durch die hügelige Landschaft fast ausschließlich von Hand geerntet werden kann, ist Olivenöl kostendeckend unter zwölf Euro pro Liter kaum zu erzeugen.“

Der große Verdienst der Hamburger: einer breiten Schicht von Verbrauchern deutlich zu machen, dass sie in Sachen Olivenöl häufig hinters Licht geführt werden und auch ein hoher Preis kein Garant für guten „Champagner unter den Ölen“ ist. Als „Kronzeuge“ in Sachen gutes Olivenöl verlässt sich das Magazin auf Andreas März, den Journalisten, Wein- und Olivenölbauer, von dem wir unser Olivenöl in diesem Jahr bezogen haben. Nach dem Artikel dürfte das Interesse an den März’schen Ölen deutlich ansteigen (bei Artefakt gibt es das übrigens auch). Und als gute Info empfiehlt das Magazin das „Dossier Olivenöl“, das wir 2012 an die Mitglieder verteilt haben. Kommentar des Stern zu diesem Dossier: „Sagt alles“. Dem ist nichts hinzuzufügen.ch

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