Essen soll vor allem glücklich machen

Gegrillte Pfirsichhälfte mit Ziegenkäsecreme.

Gegrillte Pfirsichhälfte mit Ziegenkäsecreme.

Was bewegt die „mediterrane Kochgesellschaft“? Es ist der Spaß am Kochen und Essen.

Von Rolf Kienle

Rhein-Neckar. Wenn Gruppe 3 kocht, wird’s gern etwas aufwändiger: Die Tischdeko sollte beispielsweise zum Menü passen, was kein Muss, aber oft genug ein überraschendes Moment ist. Steht ein Viergänge-Menü aus Fisch und Meeresfrüchten auf dem Plan des Küchenchefs, dann können sich die Gäste darauf verlassen, dass allein der Tisch rein optisch vor Küste-, Strand- und Meer-Utensilien schier aus den Nähten platzt. Und dann erst die einzelnen Gerichte… Das Auge isst ja bekanntlich mit.

Wir sprechen hier nicht von professionellen Köchen. In Gruppe 3 sind ebenso Amateure am Werk wie in den sieben anderen Gruppen der „mediterranen Kochgesellschaft“.   Sie treffen sich einmal im Monat in der Küche des evangelischen Gemeindezentrums Brühl-Rohrhof, um zu kochen. Für sich und Gäste. Nicht irgendwas, sondern immer nach den Regeln der mediterranen Küche, was viel Spielraum lässt. Denn alles, was in Spanien, Italien oder Griechenland als klassische Küche auf den Tisch kommt, ist auch bei der Kochgesellschaft willkommen. Man könnte gut und gern von Urlaubsküche sprechen.  Aber Obacht: Mediterran ist mehr als Pizza und Pasta.

Fisch geht immer.

Fisch geht immer.

Vor allem bietet das Mediterrane reichlich Gesprächsstoff und die Basis für kreative Ideen. Wie kann man etwa die Produkte der levantinischen Küche integrieren, welche Artischocken-Rezepte kennen die anderen Mitstreiter (nachdem man mittlerweile in der Region frische Artischocken kaufen kann) , aus welchem Teil des Atlantiks kann man Fisch bedenkenlos kaufen? Welche gesundheitlichen Aspekte hat Olivenöl, wann kann man von einem guten Olivenöl sprechen, wie ist das mit Butter oder rotem Fleisch? Keiner will hier missionieren, aber beim Essen kann man schließlich stundenlang übers Essen reden. Wichtig ist nur, dass alle Spaß am Kochen und am Essen haben. „Gesund durch Genuss!“ hat sich die Kochgesellschaft auf die Fahnen geschrieben, wie deren erste Vorsitzende Christiane Appel sagt. Der Genuss steht im Vordergrund. Ernährungsstress, wie ihn sich heute viele machen, weil sie auf der Suche nach der besten Ernährungsweise sind, wäre komplett fehl am Platz. Es sei eigentlich ganz einfach: Essen soll vor allem glücklich machen. Nächstes Jahr wird die Kochgesellschaft übrigens zwanzig Jahre alt.

Spätsommerliche Deko.

Spätsommerliche Deko.

Die Heidelberger Buchautorin Diana von Kopp zitiert in „Richtig schmecken macht gesund“ ihren Kollegen Michael Pollan, der folgendes empfahl: „Iss nichts, was eine Verpackung hat und nichts, was deine Urgroßaltern nicht als Essen erkannt hätten.“ Dem ist auch bei der Kochgesellschaft nicht viel hinzufügen. Frisch sollen die Zutaten sein und saisonal. Also eher keinen Spargel im Dezember und keine Tomaten im Februar. Und nach Möglichkeit sollen die meisten Zutaten aus der Region stammen, was bei Meeresfrüchten und Fischen von Meer kaum machbar ist. Aber es geht ja um das Mediterrane.

Wenn Essen glücklich machen soll, dann müssten die Kochfreunde aus der Gruppe 3 ja ausnahmslos glücklich sein. Annette Leweling kann das bestätigen. „Angefangen hat das mit dem Essen, dann kam das Kochen dazu. Und beides macht glücklich“, sagt sie wie aus der Pistole geschossen. Und die übrigen Mitglieder der Gruppe stimmen ihr zu.  Einen durchweg zufriedenen Eindruck machen sie ohnehin alle.

In Zeiten, in denen Essen „seine Unschuld verloren hat“, wie der Heidelberger Arzt und Buchautor („Karotten lieben Butter“) Gunter Frank schreibt, braucht es schlichte Ideen wie diese: „Suche Qualität bei allem, was Du tust“. Das sei der Schlüssel für eine gute Ernährung, sagt er. Auch dem Argument pflichten die Amateurköche der mediterranen Kochgesellschaft zu. Das habe auch mit Respekt vor Tieren und der Umwelt zu tun.

Obstsalat mit Basilikum.

Erfrischend: Obstsalat mit Basilikum.

Wer gern gut isst, will auch Gutes trinken, weshalb die Kochgesellschaft zu Weinstammtischen einlädt, bei denen jeweils Weine bestimmter Anbaugebiete vorgestellt und gekostet werden. Frank Jasensky und einige andere Mitglieder machen sich vorab schlau, probieren und kaufen dann schließlich Weine, die für die Region typisch sind. Das Ergebnis stellt man Interessierten beim Weinstammtisch in Schwetzingen vor.

Wer mal unverbindlich mitkochen oder auch nur mitessen möchte, der kann sich über die Internetseite www.kochgesellschaft.de informieren. Dort werden auch  Termine für den Weinstammtisch oder den monatlichen Stammtisch in Schwetzingen genannt.

Quelle: RNZ

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