Prickelnd: Reise durch die Schaumwein-Welt

Die Vorbereitungen laufen.

Die Vorbereitungen laufen.

Gesellschaftliche Anlässe, persönliches Glück, Hochzeiten, Geburten, wenn Menschen einen besonderen Moment zelebrieren wollen, greifen sie zu Schaumwein – es darf/muss dann etwas Besonderes sein.

Lecker Cräcker.

Lecker Cräcker. Foto: Claudia

Mit einem Schluck gleich rein in das Thema. „Champagner ist nicht alles“ lautete das Motto des Abends. Beim Weinstammtisch der mediterranen Kochgesellschaft ging auf auf Entdeckungsreise in die Welt der Schaumweine – und die wurde durch den Champagner erst ermöglicht.
Kein Getränk weltweit steht so für puren Luxus wie der Schaumwein aus der Region Champagne. Ein Muss bei vielen festlichen Anlässen – für die, die nicht geizen müssen. Statt zu Discount-Champagner zu greifen, sollte man eher auf die kostengünstigere Alternative setzen: Was den Deutschen der Winzersekt, ist den Spaniern etwa der Cava, Schaumwein nach der Champagner-Methode, und den Franzosen der Crémant.

Unser Weinexperte: Frank Jasensky. Foto: Claudia

Der erste Schaumwein des Abends: Prickelndes aus dem Südwesten Frankreichs – und das aus einem besonderen Grund. (Crémant de Limoux). Den erläuterte unser Weinexperte, Frank Jasensky, auch gleich. Der gehört zu den Top-Schaumweinen Frankreichs, ist eine „Grand Cuvee“ aus Chardonnay, Mauzac und Chenin Blanc und kommt daher mit blumigen Noten, Apfel und Honig. Richtig heißt er Grande Cuvée Aimery, benannt nach dem Jahr seiner Entdeckung 1531. Dort schlägt die Geburtsstunde des Schaumweins. Zumindest der Weinbau ist dort seit 931 schriftlich belegt. Der Blanquette de Limoux stammt aus dem Languedoc und ist seit dem 18. Februar 1938 ein „Vin d’appelation d’Origine Contrôllée (AOC).

Was aber bitte ist eigentlich ein Schaumwein? Und was ein Perlwein? Schaumwein, so machte Jasensky klar, ist der Oberbegriff für weinhaltige Getränke in Flaschen, die aufgrund ihres Gehaltes an Kohlenstoffdioxid unter Druck stehen. Perlwein, ein Vino frizzante, ist ein „halbschäumender Wein“ – und unterliegt in Deutschland nicht der Schaumweinsteuer. Das heißt auch: Er darf nicht mit Sekt zu verwechseln sein.

Darauf sind wir stolz: unsere Weincrew – Ludwig, Claudia, Frank und Trixi. Foto: Hans-Joachim.

Von Südwesten Frankreich führte die Schaumweise weiter südlich. Genauer: in den Norden Spaniens, nach Katalonien. Ins Glas  kam ein erfrischender Cava. Seine Besonderheit zudem: eine „beeindruckend lange Schaumkrone“, wie der Weinexperte der mediterranen Kochgesellschaft es formulierte. Er machte auch die Unterschiede der spanischen Sekte deutlich, die zwischen Cava und Bodega. Bodega ist meist ebenerdig, eine Cava wird meist unterirdisch angelegt. Insgesamt sind in Spanien 159 Gemeinden in Spanien für die Produktion von Cava zugelassen. Für ihn gelten vergleichbare Anforderungen wie für den Crémant oder Champagner.
Übrigens: Mit regelmäßig mehr als 250 Millionen Flaschen jährlich ist Spanien nach Frankreich der zweitwichtigste Herkunftsmarkt für Schaumweine nach Flaschengärverfahren weltweit. Es gibt mit Reserva und Gran Reserva Qualitätsbezeichnungen, die im Preisniveau den französischen Qualitätsmarken kaum nachstehen.

Die Schaumweine haben wir Mönchen zu verdanken, findigen Benedektinern aus dem Tal der Aude im Süden Frankreichs, um das Jahr 1531. Die Mönche füllten unvollständig vergorene Weine im kühlen Herbst in Flaschen ab, verkorkten sie und sicherten den Korken mit Schnüren am Flaschenhals. Im warmen Frühling gärte der Wein weiter und die Kohlensäure war in den Flaschen gefangen.

Das blieb von unserem Probierabend übrig: leere Flaschen.

Das blieb von unserem Probierabend übrig: leere Flaschen.

Übrigens: Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wanderte eine Reihe deutscher Unternehmer nach Frankreich aus, um dort Champagnerhäuser zu gründen – so etwa ein Florenz-Ludwig Heidsieck (1749-1828) oder Joseph Jacob Placid Bollinger (1803-1884) oder der Mainzer Johann-Joseph Krug (1800-1866). Die Gastarbeiter aus Deutschland wussten bald besser über das Champagnergeschäft Bescheid, gründeten eigene Handelshäuser oder wurden Franzosen. Oder sie kamen zurück wie Georg Christian Kessler, der im Champagnerhaus Veuve Cliquot als Buchhalter gearbeitet hatte.

Von Nordspanien nach Norditalien, genauer: ins Piemont. Hier gibt es eine besondere „süße“ Gattung: den Asti. Er wird aus Muskatellertrauben erzeugt, passt hervorragend zum Dessert oder zum Anstoßen nach dem Essen. Der Asti Spumante ist ein DOCG-Schaumwein, hat wenig Alkohol und doch einen starken Charakter.

Vom Piemont ging die Reise weiter. Der Zielort lag 100 Kilometer östlich von Mailand. Will heißen: mittendrin im Franciacorte-Gebiet. Franciacorte gilt als Aushängeschild der italienischen Schaumweine. Im Glas: Berlucchi – zum Angewöhnen. Ihren DOC-Status (Denominazione di origine controllata) hat diese Region erst seit 1967. Allen, die in Italien Urlaub machen, sei dringend empfohlen, sich diesbezüglich dort zu bevorraten.

Nächstes Schaumweinziel: das Elsass. Im Glas: ein Crémant, der daran erinnerte, das Schaumweine nicht nur aus weißen Trauben gemacht werden: ein Crémant d’Alsace Rosé. Ein reinsortiger Weißburgunder beendete schließlich die Schaumweinreise, ein Blanc de Blanc Brut aus Rheinhessen: von Raumland. Mehr geht kaum.

Der nächste Weinstammtisch ist für Februar 2018 geplant. Dann soll spanischer Rotwein in die Gläser kommen.